Seit der Preis für Leistungsmesser in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, ist ihre Popularität bei Radfahrern deutlich gestiegen. Bei sachgemäßer Benutzung in einem strukturierten Trainingsprogramm, das auf Leistung ausgerichtet ist, ist es ein ausgezeichnetes Tool, um die Leistung jedes Radfahrers auf wissenschaftlicher Basis zu verbessern und diese Leistungssteigerungen zu messen. Leider wissen viel Radfahrer, die einen Leistungsmesser besitzen, nicht, wie sie die ausgezeichnete Effizienz dieses Instruments für sich erschließen können, und deshalb wird es oft nur dazu benutzt, um anderen gegenüber damit einen guten Eindruck zu machen, indem ganz unbedeutende Zahlen oder Werte zitiert werden, die bei einer bestimmten Bergfahrt oder einem Sprint angezeigt wurden.

Was ist also ein Leistungsmesser? Einfach gesagt ist es ein Tool, das die Energie (in Watt) misst, die der Fahrer anwendet, um das Fahrrad vorwärts zu bewegen. Einige Leistungsmesser messen dies gestützt auf Kurbelumdrehungen, andere nutzen dafür Pedale, Tretlager oder Naben. Es kommt nicht darauf an, wo die Energie gemessen wird, sondern wesentlich ist bei Leistungsmessern, dass die Messung dieser Energie objektiv und eine Konstante ist. Ein Watt ist ein Watt. Darin liegt der Vorteil des Trainings mit einem Leistungsmesser; es erlaubt dem Radfahrer, ein quantitatives Messergebnis seiner Trainingsfahrt zu erhalten, unabhängig von äußeren Faktoren, die einen Radfahrer beeinflussen. Das ist deshalb wichtig, weil die Performance auf dem Rad letztendlich auf einem Masse-Leistungs-Verhältnis und der Ausdauer des Radfahrers beruht. Wenn Sie nur unter Berücksichtigung der Herzfrequenz trainieren, ist es sehr schwierig, objektive Daten zu erhalten. Die Herzfrequenz eines Radfahrers könnte von vielen äußeren Faktoren abhängen, wie etwa der Tageszeit, dem Koffeinkonsum, der Schlafqualität oder Stressbelastung, dem Wetter, der Müdigkeit usw.

Wenn Sie Ihre Trainingsfahrten auf einen bestimmte HF-Bereich hin orientieren oder Ihre Fahrt in Bezug auf durchschnittliche und Spitzenwerte der Herzfrequenz beurteilen, kann das aufgrund dieser Faktoren sehr irreführend sein. Wenn Sie in Hinsicht auf Geschwindigkeit/Distanz trainieren, ist es ebenfalls schwierig, wirklich zuverlässige Daten zu bekommen. Zum Beispiel: „Ich hab ein neues persönliches Spitzenergebnis bei meiner Lieblingsbergfahrt erzielt“, aber Faktoren wie Wetter, Fahrradeinstellung, Tageszeit, Kleidung – und sogar Reifendruck werden alle eine Rolle spielen. Es ist sehr schwierig, jedes Mal dieselben Variablen zur Verfügung zu haben, wenn Sie sich testen wollen. Aus diesem Grund ist die Nutzung eines Leistungsmessers von unschätzbarem Wert. Alle äußeren Faktoren fallen nämlich dabei weg. Sie absolvieren Ihre Fahrt oder Ihren Test und sehen sich die Wattleistung an. Es spielt keine Rolle, ob Sie gegen den Wind gefahren sind, mit Stollenreifen oder vollgepumpt mit Koffein. Sie können die Wattleistung mit der von früheren Fahrten vergleichen, bei denen die Fahrradeinstellung anders war oder Sie sogar ein anderes Rad verwendeten. Vielleicht sind Sie aufgrund äußerer Faktoren bei Ihrer Lieblingsbergfahrt langsamer, aber Ihre Wattleistung ist unter Umständen höher und Sie sind ein stärkerer Radfahrer als zuvor.

Weil ein Leistungsmesser diese objektiven Vergleiche erlaubt, ist es möglich, der Intensität jeder Radfahrt einen „Score-Wert“ zuzuordnen. Dieser Score-Wert steht in direktem Verhältnis zu Ihrem Leistungsschwellenwert. Mit anderen Worten, bevor Sie Ihr Training mit einem Leistungsmesser beginnen, müssen Sie zuerst einen Ausgangswert für Ihre Energieleistung bestimmen. Dafür machen Sie einen sogenannten Schwellenwerttest, und dazu brauchen Sie gewöhnlich intensive 20 oder 60 Minuten.  

Jede Fahrt, die Sie dann planen oder absolvieren, steht im Verhältnis zu den Daten dieses Schwellenwerttests. Ganz gleich, ob es sich um ein Erholungstraining handelt, ein Tempotraining, ein SST oder eine VO2-Trainingseinheit (= mit maximaler Sauerstoffaufnahme), alle Watt-Zielsetzungen stehen in direktem Verhältnis zu Ihrem Schwellenwerttest. Daher können Sie ganz genau planen, in einem bestimmten Leistungsbereich zu trainieren oder an einer bestimmten aeroben oder anaeroben Leistungsfähigkeit Ihres Muskelsystems zu arbeiten.

In ähnlicher Form können Sie nach der Trainingsfahrt die allgemeine Auswirkung des Trainings auf Ihren Körper kalkulieren. Indem wir dies beobachten, können wir ganz genau die physiologische Belastung Ihres Körpers über einen längeren Zeitraum hin ganz genau messen und dadurch die Trainingsphasen und physiologische Anpassung planen, ohne dabei zu riskieren, Sie beim Training zu sehr zu belasten und dadurch einen Rückfall zu verursachen.  

Schließlich wird es für Sie bei Ihrem nächsten Schwellenwerttest leicht sein, Ihre Fortschritte objektiv zu messen. Vergleichen Sie nur Ihre Masse-Leistungs-Verhältnis-Werte von jedem Test und sie können eine Steigerung oder Verschlechterung ganz einfach ablesen.